Schulhof “Social Media”

Schulhof Social Media - von der Fehleinschätzung im Marketing

Filmvermarktung muss nicht auf Facebook stattfinden, sondern die Kinder müssen sich auf dem Schulhof über den Film unterhalten. Dass sich das heute nicht mehr trennen lässt, ist bei vielen noch nicht angekommen.

Gestern Abend lief im Deutschlandfunk ein Bericht über die Möglichkeiten der Filmvermarktung. Im Vorfeld der Berlinale ein spannendes Thema, denn die Zahl der Filme wächst und wächst und jeder Film will so viele Zuschauer wie möglich ins Kino locken. Zum Beispiel “Monsieur Claude und seine Töchter”. Über 3,6 Millionen haben den Film in Deutschland bereits gesehen. Facebook hat dabei eine wichtige Rolle gespielt. Dabei sind u.a. auch 500.000 Views für den Trailer herausgesprungen.

Das sieht nicht jeder so, denn Senator-Geschäftsführer Anatol Nitschke vertritt eine vollkommen andere Meinung zum Einsatz von Social Media in der Filmvermarktung.

“Social Media ist in meinen Augen komplett überschätzt. Es ist ganz toll, wenn sich da auch was entwickelt. Aber was entwickelt sich? Wenn Filme heutzutage eine “Like-Rate” von 10.000 haben, ist es fast schon sensationell. Aber was will ich mit 10.000 verkauften Kinokarten? Das ist Peanuts.“

Diese Argumente hörte man häufig und schlüssig klingt das Ganze auch. Was sind schon 10.000 Tickets mehr oder weniger bei Millionen von Zuschauern. Doch richtig interessant wird es erst, als Anatol Nitschke weiterspricht. Denn er weiß genau, was zu tun ist.

„Wir müssen im Vorfeld schauen, dass auf den Schulhöfen, nach den Trailern im Kino, dass über die Filme geredet wird.”

„Ganz genau!“ will man ihm zurufen. Dort muss die Filmwerbung hin! Wenn sich die Kids über einen Film unterhalten, erzählen, was sie für einen tollen Trailer gesehen haben, und dass sie sich den Film ganz bestimmt ansehen werden, dann ist doch das Ziel der Werbung erreicht.

Aber was machen die Kids, wenn sie auf dem Schulhof stehen? (Wenn man das heute überhaupt noch tut?) Sie haben ihr Smartphone in der Hand. In der Bahn, in der Pause, beim Warten. Das wird oft beklagt, aber selten als Chance verstanden. Denn die Werbung, die auf dem Smartphone auftaucht, wird nicht nur gesehen, sondern angeklickt und geteilt. Trailer werden auf Facebook gepostet, Bilder vom Popcorn und dem Kinoticket auf Instagram geteilt und die Unterhaltung vom Schulhof wird auf WhatsApp weitergeführt.

Genau wie der Senator-Geschäftsführer ziehen viele aus den eigenen Erfahrungen mit sozialen Netzwerken den falschen Schluss. „Was nützen mir die paar Likes? Nichts.“ Doch geht es um mehr als Likes. Es geht um Reichweite, Sichtbarkeit und Aufmerksamkeit. Nur weil jemand kein Gefällt mir verteilt, heißt das nicht, dass die Werbung sein Ziel verfehlt hat. So wenig wie man auf alles Interessante sofort reagiert, so wenig steht man vor einem Filmplakat und rennt umgehend ins Kino. Außerdem wird die Werbung weiter in die eigenen Kreise getragen. Dafür gibt es zwar kein Gefällt mir für den originalen Beitrag des Filmverleihs auf Facebook. Gesprächsthema ist der Film trotzdem!

Klar: Social Media ist kein Allheilmittel. Nur spielt es im Leben der meisten eine sehr große Rolle. Das kann man mögen oder nicht. Aber wer es schafft, auf dem Schulhof „Social Media“ Gesprächsthema zu sein, wird auch Erfolge sehen.

tl;dr – Wer es schafft, auf dem Schulhof „Social Media“ Thema zu sein, hat das System verstanden und muss nicht mehr nur Likes zählen.

Den Beitrag „Vor der Berlinale: Wie Filmvermarktung funktioniert“ vom 04.02.2015 gibt es in voller Länge auf der Seite des Deutschlandfunks.

Falk Sieghard Gruner

Falk Sieghard Gruner

Social Media Berater | Blogger | Texter und Chef der medienspinnerei.
Öffentlichkeitsarbeiter bei Kreatives Chemnitz e.V.. Mitorganisator des Social Media Talk.
Falk Sieghard Gruner
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