Plane niemals Beiträge. Niemals!

plane niemals social media beiträgeJa, niemals! Beiträge zu planen ist verlockend aber keine gute Idee. Es bringt dir nichts und die Gefahr, dass etwas schiefgeht, ist viel zu groß. Außerdem vergibst du die Chance in sozialen Netzwerken: Echte Interaktion!

Es ist so verlockend: Ein paar Beiträge auf Facebook oder Twitter vorbereiten, zeitlich planen und über den Tag verteilt für sich arbeiten lassen. Das machen einige, vielleicht sogar viele und überspitzt könnte man meinen, dass das “doch alle so machen“! Richtig oder gar richtiger wird es dadurch noch lange nicht. Denn es gibt gute Gründe, die Finger vom Planen zu lassen.

Was soll Planen bringen?

“Dann hab‘ ich meine Ruhe.“

Es klingt doch eigentlich ganz reizvoll. Eine Woche, einen Monat oder gleich das ganze Jahr im Voraus zu planen und den Zeitpunkt festlegen, wann es online gehen soll. Und danach Füße hoch. Traumhaft! Es gibt nur ein Problem: Wenn du es Ernst meinst, hast du danach keine Ruhe. Denn danach geht die Arbeit weiter, denn auf relevante Beiträge folgen Reaktionen der Fans. Den Umgang damit und die Antworten darauf kann man nicht planen.

An dieser Stelle vielleicht ein kleiner Einschub: Woher kommt eigentlich der Wunsch nach möglichst wenig Arbeit mit bzw. durch Social Media? Klar macht es Arbeit! Jede einzelne Interaktion auf Twitter, jeder beantwortete Kommentar auf Facebook, jede Suche nach gutem Content macht Arbeit. Da gibt es keine Abkürzungen!

“So kann ich posten, selbst wenn ich nicht online bin.“

Gegenfrage: Warum willst du jemanden erreichen, der online ist, wenn du es nicht bist und umgekehrt? Hast du Kunden in den USA? Wenn die dir so wichtig sind, kümmere dich um jemanden, der dich in den USA dabei unterstützt! Jemand, der für dich die Kommunikation mit deinen amerikanischen Fans übernimmt, ist authentisch und wach, wenn du es nicht bist.

Oder willst du so tun, als wärst du online, bist es aber so wenig wie möglich? Die Beiträge werden schön über den Tag verteilt und deine Fans sollen denken, dass du den ganzen Tag im Netz aktiv bist? Dann vergibst du die große Chance der direkten Kommunikation mit deinen Fans und lässt deinen Beitrag unbeaufsichtigt im Netz (siehe unten). Sehr gefährlich!

“Das spart unglaublich viel Zeit.“

Tut es nicht. Wie auch?! Du musst trotzdem recherchieren, kuratieren, Content erstellen und den Beitrag verfassen. Das heißt, die Zeitersparnis ist gleich 0.

Also: Planen bringt nichts

Genauer betrachtet sind die Vorteile äußerst gering, wenn nicht sogar hinfällig. Beiträge zu planen erfordert den gleichen Aufwand, wie beim Sofortposten. Daher steht auch nicht mehr Zeit zur Verfügung, um sich zum Beispiel verstärkt um den Kontakt zu den Fans zu kümmern. Der wird übrigens, wenn es schlecht läuft, sogar von deinen Fans verlangt, wenn du im Urlaub bist und jeder einzelne geplante Beitrag erscheint. Und dann ist keiner da, um zu antworten und aus dem Kontakt das Beste zu machen…

Was schiefgehen kann, geht auch schief

Stell dir vor, alle Welt redet über etwas anderes. Beim Finale der Fußball-EM macht Uli Hoeneß den Flitzer, Angela Merkel tritt zurück oder Jan Böhmermann reaktiviert “Wetten dass…?“. Und was machst du? Der geplante Beitrag zu “Funktionsunterwäsche vom Discounter – taugt das was?“ geht auf Facebook online. Der Post geht damit nicht nur unter, sondern das Ganze wirkt auch noch so, als würdest du überhaupt nicht zuhören oder wissen, was gerade passiert.

Oder noch schlimmer. Etwas Schreckliches passiert! Am Abend der Terroranschläge in Paris am 13. November 2015 war Twitter voll mit aktuellen Meldungen, Diskussionen und Unterschlupfangeboten für Zuflucht suchende Menschen in der Stadt. In so einem Moment wirkt der geplante Beitrag zu deinem neuesten Blogartikel einfach nur realitätsfremd.

Nicht zuletzt könnte dir beim Planen auch noch ein Fehler unterlaufen. Fehler passieren immer, schon klar. Man vertippt sich, vergisst etwas oder der Link wird auf Facebook nicht schön dargestellt. Das lässt sich schnell korrigieren, wenn man online ist. Wenn nicht, dann landet der fehlerhafte geplante Beitrag im Netz und bleibt dort, bis dir jemand Bescheid gibt.

Beim Planen – und eigentlich nur beim Planen – kann ein weiterer Fehler passieren: Der falsche Zeitpunkt. Schnell ist man im falschen Jahr oder verwechselt AM und PM bei der Zeiteinstellung. Besonders “interessant” wird es, wenn du auf Facebook oder wie hier auf Twitter deinen Fans mittags eine gesundes neues Jahr wünschst:

Oder Du postest etwas wie “Bin mal ein paar Stunden offline”, “Sitze jetzt 4 Stunden im Meeting” oder “Ich leg mich erstmal hin” und wenige Minuten später wird der Wochen vorher geplante Beitrag veröffentlicht. Das stiftet Verwirrung und wirkt äußerst unpersönlich. Ganz ehrlich: Das ist es auch!

Beiträge planen lohnt sich einfach nicht

Wie man es dreht und wendet – das Planen von Beiträgen bringt keine Vorteile und kann auch noch nach hinten losgehen. Denn das Problem, die Herausforderung, die Chance an Social Media steckt nun mal im “social”!  Direkten Kontakt zu den Fans und Kunden, ein persönlicher Austausch und Dialog bis hin zur Kundenbindung geht hervorragend in sozialen Netzwerken. Jeder Beitrag, jeder Tweet, jedes Foto kann der Startschuss für ein wunderbares Gespräch sein. Wäre doch schade, wenn dann keiner zum Antworten da ist oder der Zeitpunkt denkbar ungünstig. Also: Plane niemals einen Beitrag oder Tweet. Niemals!

tl;dr – Planen bringt nichts. Weder Zeitersparnis noch macht es weniger Arbeit. Denn auf Kommentare antworten musst du trotzdem selbst. Nicht zuletzt kann zu viel schiefgehen.

Falk Sieghard Gruner

Falk Sieghard Gruner

Social Media Berater | Blogger | Texter und Chef der medienspinnerei.
Öffentlichkeitsarbeiter bei Kreatives Chemnitz e.V.. Mitorganisator des Social Media Talk.
Falk Sieghard Gruner
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Über mich
Social Media Berater | Blogger | Texter und Chef der medienspinnerei. Öffentlichkeitsarbeiter bei Kreatives Chemnitz e.V.. Mitorganisator des Social Media Talk.
  1. Torsten Maue Reply

    Gut geschrieben, allerdings gehe ich damit nicht so pauschal mit. Ja, es gibt viele Fallstricke bei geplanten Beiträgen. Ich gebe dir auch recht wenn ein Account nur auf derartige Weise befüllt werden soll. Es gibt aber auch Beispiele wo man das durchaus anwenden kann. Nicht jeder Beitrag, egal ob geplant oder ungeplant, bedarf übrigens einer sofortigen Pflege. Für einen Kunden habe ich auf einer FB-Seite täglich jeden Morgen ein Zitat des Tages veröffentlicht. Sowas kann man vorplanen, da geht man kein Risiko ein. Solche Beiträge bringen Likes, aber im Normalfalle eher weniger Kommentare und wenn dann in den meisten Fällen nichts wo man großartig einschreiten muß.

    Das Thema kritisch zu betrachten halte ich für richtig, es pauschal zu verurteilen aber für falsch. Man sollte das differenzierter betrachten.

    • Falk Sieghard Gruner
      Falk Sieghard Gruner Reply

      Guten Morgen Torsten, vielen Dank für dein Lob 🙂 Also wenn man eine Seite betreibt, nur um der Zitate Willen, dann meinetwegen. Aber was bringt einem die Seite? Wenn allerdings noch mehr darauf passiert, besteht einfach die Gefahr, aktuelle Themen zu verpassen. Alle reden über ein bestimmtes Thema und “nervt” seine Fans mit einem Zitat. Oder noch schlimmer – natürlich auch abwegiger – ein Unglück passiert und der geplante Post wünscht “carpe diem. Macht was aus diesem schönen Tag!” Das wäre ganz schön ungünstig…

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